Kaffeepause

Kaffeepausen brauchen kein Koffein

Carola von

Kaffeepausen sind in Deutschland ein Kulturgut und Kaffee das beliebteste Getränk. Mit 162 L im Jahr trinken wir Deutschen mehr Kaffee als Wasser (143L) oder Bier (107L).  Eine urdeutsche Institutionen ist das Kaffeekränzchen. Bei XXL-Tortenstücken wird zum Kaffee auch der neueste Tratsch serviert. Durch Filterpapier heiß aufgebrüht entwickelte sich die deutsche Kaffeekultur  zum Pausenzeichen mit Genussmoment.  Die Kaffeepause wurde zu einer eigenen Zeiteinheit stilisiert: Eine Tasse Kaffee trinken war immer gleichzusetzen mit einer halben Stunde Auszeit. Die Kaffeezeit löst sich auf und verschwimmt in den New Wave Bewegungen der Kaffee Hipster Scene. Leistete die Kaffeepause früher wichtige Beiträge zur Work-Life-Romance und war für Arbeitgeber wertvoller als jede Betriebsfeier, wird Sie heute in vielen deutschen Büros stiefmütterlich behandelt. Kaffee mit und ohne Koffein, mit Kuh-oder Sojamilch, im Café oder unterwegs auf dem Weg zur Arbeit, Kaffeezeit ist heute immer und überall. Bis in die 1990er-Jahre „Coffee to go“ aus den USA kam und Kapselkaffee aus der Schweiz, hätten wir uns nicht vorstellen können, mit einer Tasse brühendheißen Inhalts auf die Straße zu gehen. Seitdem ist die Kaffeevielfalt in Deutschland explodiert und eine Kaffeebestellung in einer hippen Kaffee Bar kann mehr Entscheidungen erfordern als der Abschluss eines Immobilienkredits. Kaffeezeit ist heute individueller, immer noch der beste Grund, um sich mit Freunden zu treffen aber keine feste soziale Größe in der deutschen Kaffeekultur mehr. Das Kaffeekränzchen ist schon fast ausgestorben und die gemeinsame Kaffeepause in deutschen Büros leidet ebenfalls.

Wer hat die besten Kaffeepausen

In deutschen Unternehmen hat die Kaffeepause leider keinen guten Ruf, denn angeblich halten Kaffeepausen die Angestellten von der Arbeit ab. Zu Unrecht, denken wir! Andere Kaffeenationen leben es uns vor. Während man in deutschen Unternehmen die Kaffeetasse auf den Schreibtisch stellt und dem Vorwurf ausgesetzt ist, unter einer gemeinsamen Kaffeepause leide die Produktivität, wissen es die Schweden und Italiener besser. Diese Nationen haben sich ihr Kulturgut „Kaffeepause“ bewahrt.

In Schweden ist die Kaffeepause ein wichtiger Bestandteil des nordischen Lebensstils. Es gibt sogar einen eigenen Begriff dafür: Fika, die Kurzform von „fikarast“ oder „fikapaus“. Diese wird mehrmals täglich mit Kaffee, Keksen und Kuchen zelebriert – eine Auszeit, die Mitarbeiter wie Vorgesetzte gleichermaßen schätzen. Denn der Ton ist ungezwungen und die Atmosphäre entspannt, während auf Augenhöhe über private und geschäftliche Themen gesprochen wird. In Schweden heißt die zweite Tasse Kaffee: Påtår. Eine annähernde Übersetzung ist „noch ein Schluck“. In Europa ist der Kaffeekonsum auch ein Ausdruck der Pausenkultur. Die Schweden lagen 2017 mit einem Kaffeekonsum von 9,4 kg pro Kopf europaweit sogar auf dem dritten Platz – vor Italien mit 6,69 kg und Deutschland mit 6,65 kg.

Die Italiener halten es mit ihren Kaffeepausen ganz ähnlich. Im Laufe eines Arbeitstages treffen sie sich durchschnittlich dreimal, um sich am Kaffeeautomaten in geselliger Runde auszutauschen und Espresso zu trinken.

Kaffeepausen stören die Konzentration

Im Gegenteil! Studien zeigen, dass Kaffeepausen ein kollegiales Arbeitsumfeld fördern, die Kreativität anregen und uns produktiver arbeiten lassen. Denn das Gehirn kann sich maximal 60 bis 90 Minuten am Stück auf ein Thema konzentrieren. Danach braucht es eine Pause. Zu viel Koffein schadet aber Körper, Geist und Konzentration. Die aufgenommene Koffeindosis sollte auch bei vielen schönen Pausen den empfohlenen Maximalwert von 400 Gramm täglich nicht überschreiten. Das entspricht ca. 4-5 Tassen Kaffee. Gerade in Pausen oder in Meetings ist der Kaffeekonsum erhöht, denn in Gesellschaft trinken wir mehr. Die soziale Komponente der Kaffeepause ist wichtig, deshalb kann entkoffeinierter Kaffee eine gute Alternative sein, man bleibt im Gespräch und genießt unbeschwert die Pause

Die Kaffeepause bleibt, das Koffein geht

Laut Deutschem Kaffeeverband steht beim Kaffeetrinken für 37 Prozent der Deutschen das Aroma im Vordergrund. Die wachmachenden Eigenschaften sind zwar ein netter Bonus, der Geschmack ist aber wichtiger. Eine Tatsache, die den entkoffeinierten Kaffee in die Pausenkultur integriert. Inspiriert durch die Kaffeekultur in Schweden und Italien zeigt sich, dass die Investition in eine Kaffeepausenkultur mit entkoffeiniertem Kaffee den deutschen Arbeitsalltag beflügeln kann.

Beitragsbild: ©iStockphoto: JenLens

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