Venedig

Venedig: Die Lagune des Espressos

Vanessa von

Die ersten Kaffeebohnen erreichten die florierende Handelsmetropole Anfang des 17. Jahrhunderts durch Kaufmänner aus dem Osmanischen Reich. Anfangs wurde Kaffee als Arznei angesehen. In der Tat kaufte man Kaffeebohnen in der Apotheke. Im Jahr 1676 erlaubte der venezianische Senat dann den öffentlichen Ausschank: Der Siegeszug des Kaffees war nicht mehr aufzuhalten. Und so war Venedig Ende des 17. Jahrhunderts die erste italienische Stadt, in der Kaffeehäuser gegründet wurden; Das Caffè Florian eröffnete im Jahr 1683 auf dem berühmten Markusplatz und ist damit das älteste Kaffeehaus Europas.

Venedig – reiche Handelsmetropole und kulturelles Zentrum Mitteleuropas

Fast eintausend Jahre war die Seerepublik Venedig eines der wichtigsten Machtzentren Europas: Vom Ende des 7. Jahrhunderts bis zum Jahr 1797 lenkten die Dogen die Geschicke der durchlauchtigsten Republik des Heiligen Markus, wie die Seerepublik offiziell hieß.

Durch die besondere Lage spielte Venedig bei der Verbreitung des Kaffees in Europa eine entscheidende Rolle: Der größte Teil der Kaffeebohnen aus dem arabischen Raum wurde im 17. und 18. Jahrhundert in Venedig angelandet und gehandelt. Mächtig und wohlhabend waren die venezianischen Händler – und nicht nur am Geschäft, sondern auch an Kunst und Kultur interessiert. Im 18. Jahrhundert war Venedig eine der kulturellen Metropolen Europas und prägte die Literatur, Kunst und Architektur der Epoche entscheidend mit.

Heute ist die gesamte Altstadt mit ihren unzähligen Kanälen, Brücken, Plätzen und imposanten Bauwerken UNESCO-Weltkulturerbe und nach Mailand und Rom die meistbesuchte Stadt Italiens.

Venezianischer Kaffee: hell geröstet und mit einem süßen Duft

Beim Rösten von Kaffeebohnen können die Venezianer auf eine lange Erfahrung zurückblicken. Während die edlen Bohnen im Süden des italienischen Stiefels lang und langsam geröstet werden, mögen die Venezianer ihren Kaffee nicht ganz so dunkel.

Haselnussfarben und hell geröstet – so präsentieren sich Kaffeebohnen aus venezianischen Röstereien. Der Geschmack hingegen ist vollmundig, säurearm und angenehm mild. Der leicht süßliche Espresso duftet intensiv nach Nüssen, Vanille und einem Hauch von Kakao.

Besondere Röstereien in Venedig

In den letzten Jahrzehnten sind nicht nur viele Bewohner aus Venedigs Altstadt geflohen, sondern auch fast alle Kaffeeröster: Zu aufwendig ist die Anlieferung der Bohnen mit Booten, zu teuer die Instandhaltung der historischen Bauwerke. Die meisten Röstereien zog es ins günstigere Umland.

Caffé del Doge

Nur wenige Schritte von der Rialtobrücke entfernt, liegen die Anfänge der Torrefazione Caffé del Doge. Auch wenn die weit über die Grenzen Venedigs bekannte Rösterei ihren Standort heute in Padua hat, können Sie den Caffé del Doge noch heute dort kosten, wo alles begann: in der Caffé del Doge Coffee Bar an der Calle dei Cinque.

Diemme

In dem kleinen Ort Albignasego, rund 40 km westlich von Venedig, hat die Rösterei Diemme ihren Sitz. Auf 90 Jahre Erfahrung kann das Familienunternehmen zurückblicken, das heute in dritter Generation geführt wird.

Marzotto

Die Miscele der Kaffeemarken Marzotto und Portorico kitzeln den Gaumen der Norditaliener schon seit 1933. Die Torrefazione Marzotto aus dem Ort Castelgomberto bei Vicenza ist heute auch im Bereich Organic Espresso ein echter Vorreiter.

Marchi

In dem pulsierenden, typisch venezianischen Viertel Cannaregio hat die kleine Torrefazione Marchi ihren Sitz. Ihre berühmteste Mischung ist der Cafè de la Sposa, der nicht nur auf einzigartige Weise geröstet, sondern aus acht edlen Arabicasorten zusammengestellt wird.

Die fünf besten Plätze für einen Espresso in Venedig

In Venedig muss man sich entscheiden, ob man wirklich guten Espresso trinken oder einen durchschnittlichen Caffè an einem prunkvollen, geschichtsträchtigen Ort genießen möchte. Zahlreich sind die traditionellen Kaffeehäuser in der Lagunenstadt, doch nicht immer wird dort der beste Espresso serviert. Lohnen tut sich ein Besuch meistens trotzdem.

Gran Caffè Quadri

Im Caffè Quadri unter den Arkaden der Piazza San Marco nippten schon Berühmtheiten wie Marcel Proust, Richard Wagner, François Mitterrand und Woody Allen an ihrem Espresso. Das 1775 von Giorgio Quadri eröffnete Caffè wurde schnell zum Lieblingsplatz des venezianischen Adels. Entsprechend stilvoll und antik ist die Einrichtung. Für das besondere Ambiente zahlt man hier mit.

Caffè Florian

Nur ein paar Schritte weiter liegt das berühmte Caffè Florian, das älteste Kaffeehaus Italiens.

Es ist ein Erlebnis, im Florian einen Espresso zu trinken: In unterschiedlichen, reich mit Kunstwerken, Spiegeln und Säulen verzierten Sälen wie dem Orientalischen Saal, dem Senatssaal, dem Chinesischen Saal oder dem Saal der berühmten Männer fühlt sich der Gast um zwei bis drei Jahrhunderte in die Vergangenheit versetzt. Für einen Caffè Espresso Miscela Florian zahlt der ehrfürchtige Besucher hier übrigens drei Euro.

Torrefazione Cannaregio

Günstiger, nämlich für 90 Cent, ist das gleiche Getränk in der Kaffeerösterei Cannaregio zu haben. Die Torrefazione ist die letzte ihrer Art in der Altstadt Venedigs und röstet Kaffeebohnen seit 1930. Das Ambiente ist charakteristisch, aber schlicht. Die Kaffeebohnen stammen aus den besten Anbaugebieten der Welt und werden traditionell in der Trommel geröstet.

Caffé del Doge

Wo einst ebenfalls Kaffeebohnen geröstet wurden, wird der Espresso heute nur noch serviert und getrunken: Ein paar Schritte von der Rialtobrücke entfernt liegt das Caffé del Doge, das mit seinen exklusiven Mischungen wie der „Doge Rosso“ oder der „Doge Nero“ überzeugt.

Caffè Rosso

In Dorsoduro am Campo Santa Magherita liegt das kleine Caffè Rosso: Auch diese Kaffeebar hat eine lange Geschichte auf dem Buckel, die man ihr sogar ansieht. Statt Adliger verkehrten hier aber seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Studenten, Intellektuelle und einfache Arbeiter.

Noch immer ist die Bar ein beliebter Studententreff. Sehenswert ist übrigens die fast antike Kaffeemaschine, eine Victoria Arduino originale.

Fazit: Venezianische Kaffeetradition

  • Die besondere Lage auf einer Lagune im Nordwesten der Adria machte Venedig zu einem bedeutenden Umschlagplatz für den Handel zwischen dem Römischen und dem Byzantinischen Reich.
  • So eröffneten in der Lagunenstadt auch die ersten Kaffeehäuser Italiens.
  • Venezianische Röstungen sind hell, vollmundig und mild im Geschmack. Sie zeichnen sich durch feine Duftnuancen von Vanille und Schokolade aus.
  • Fast alle traditionellen Kaffeeröstereien haben die Altstadt Venedigs verlassen und sind ins Umland gezogen.
  • Venedig verzaubert heute vor allem mit historischen Kaffeehäusern an geschichtsträchtigen Plätzen.

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